Persönliches

Was bisher geschah II

1. Januar 2017

Lange hat es gedauert, aber nun ist der zweite Teil von “was bisher geschah“ startklar. Wer den ersten Teil nochmal auffrischen möchte, kann das hier machen: Was bisher geschah…

Die Vorbereitungen

img_4708

Überwältigt von dem Antrag trank ich erstmal ein Schluck Alkohol. Das Gefühl war so skurril, so fremd. Ohne Sekt wäre der Moment zuviel gewesen. Mein Freund will mich. Mich alleine. Ein Gedanke, der bis heute wunderschön und fabelhaft kitschig ist. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mein Gefühl der Verbundenheit noch stärker werden könnte. Wir sind ja nun auch nicht erst seit gestern zusammen. Während ich damit kämpfte, nicht komplett aus den Latschen zu kippen, waren die Mädels außer sich vor Freude und überglücklich, dass ich keinerlei Verdacht geschöpft hatte. Alles gute Schauspieler. Vielleicht melde ich sie bei einer Daily Soap an.

Die ersten Gedanken über Termine kamen mir schon am selben Abend. Diesen Sommer? Oder vielleicht ein Jahr warten? Tatsächlich hatte meine bessere Hälfte schon einen Plan. Eines war ihm klar: Dieses Jahr noch sollte das Event stattfinden. Er wollte ja schließlich vor seinem 30. heiraten.

Nun ja, wer Freunde hat, die geheiratet haben, oder vielleicht selbst schon geheiratet hat, wird wissen, dass die Location eine der schwierigsten Punkte auf der To-Do-Liste ist. Ich war mir sicher, dass wir dieses Jahr keine schöne Location mehr bekommen. Nicht samstags und schon gar nicht im Sommer. Wir wurden eines besseren belehrt: Eine der ersten Locations hatte noch genau einen Samstag im Sommer frei. Und auch nur, weil eine andere Hochzeit den Termin verschieben musste. Das nenne ich mal Glück.

Der Rest ging wie von alleine: Mein Zukünftiger kümmerte sich um die Organisation und ich um den kreativen Teil. Perfekt, denn genau darin liegen unsere Stärken! Tatsächlich machten wir uns sehr wenig Stress. Allerdings muss ich sagen, dass wir anfangs von einer kleinen lockeren Party ausgingen, um die Kosten relativ gering zu halten. Aber wisst ihr was? Der Hochzeitswahnsinn verschleiert euch dermaßen das Hirn, dass ihr in vielen Dingen auf die Kohle sch…. Mein Kopf kommt langsam zur Ruhe und ich bin fassungslos, wieviel Geld wir teilweise ausgegeben haben. Versteht mich nicht falsch, es war wunderschön. Aber auch wunderschön teuer. Nach den ersten 10.000 Euro ist alles egal! Mein Freund (Mister Sparsam) war von dem Wahn noch mehr betroffen als ich. Den Satz „Wir heiraten nur einmal… zumindest einander!“ war bei jeder Anschaffung zu hören und rechtfertigte so gut wie alles.
Während wir relativ entspannt Punkt für Punkt von der Liste abarbeiteten, merkte ich doch schnell, dass mein Umfeld mich mehr verrückt machte als ich mich selbst. „Habt ihr dies und das?“ „DJ oder Band?“ und „Was wirst du tragen?“ Jeden Tag die gleichen Fragen.

Erfrischender waren Ausführungen wie: „Zwei Männer? Heiraten?“ „Ist das legal oder macht ihr das nur für euch?“  Alles Themen über die, und das wisst ihr, ich mich eigentlich herzlich gerne unterhalte. Mein Leben besteht sozusagen aus Grundsatzdiskussionen was Schwule/Lesben dürfen und was eben nicht. Aber jeden Tag die gleichen Gesprächssituationen bringen euch das ein oder andere Mal an euere Grenzen. Und glaubt mir, das wird es.

img_4707

„Wie macht ihr die Blumen?“

Das Blumenaragment war mir persönlich mit am Wichtigsten. Nachdem unsere erste Floristin aus geschäftlichen Gründen absagen musste (vielleicht war ich ja doch etwas anstrengend), musste ich mich auf eine andere einlassen. Das ist mir anfangs nicht wirklich leicht gefallen. Sind wir mal ehrlich: Floristin ist nicht gleich Floristin. Kreativität und ein Auge für Farben und Formen kann man nicht lernen.

Nach unserem ersten Beratungsgespräch war ich Feuer und Flamme. Ich war mir sicher, sie wird ihren Job gut machen. Der Hochzeitstermin rückte mittlerweile immer näher und es wurde Zeit, das erste Probegesteck zu begutachten.

Als wir das Floristik-Atelier betraten, sahen wir im hinteren Teil ein Gesteck, das furchtbarer nicht hätte aussehen können. „Wenn das unser Gesteck sein soll, raste ich aus“ war mein erster Gedanke. Leider bestätige sich dieser, weshalb ich meine Missgunst nur schwer verbergen konnte. Alle Details, die wir besprochen hatten, wurden nicht berücksichtigt. Statt ausschließlich weiss war der Straus größtenteils Grün. Von locker und wießig gesteckt war NIE, und ich ich meine wirklich NIE, die Rede. Ich war geschockt und hätte am liebsten das hässliche Teil in den Müll befördert. Der Höhepunkt war jedoch, dass die Chefin (mit der alles besprochen wurde) es nicht für nötig empfunden hatte, bei diesem Gespräch vor Ort zu sein. Ihre Mittarbeiterin, die eigentlich von nichts wusste, musste sich meinen nicht unbedingt höflichen Kritiken stellen. Was sich im Endeffekt aber als sehr gut herausstellte: Sie nahm sich Zeit für uns und konnte mein Inneres wieder beruhigen. Wir gingen Punkt für Punkt durch und ich konnte wieder einigermaßen durchatmen.

Processed with VSCO with t1 preset

Ich bin nicht gerne eine Diva oder ein Kotzbrocken. Es ging hier aber schlicht und einfach um ein wichtiges Detail. Auch wenn das Probegesteck schlimm war, waren die fertigen Sträusse ein absoluter Traum. Die Farben, die Form: einfach genau so wie wir uns das vorgestellt hatten. Ich denke daran und muss schmunzeln.

Manchmal muss erstmal etwas beschissen sein, damit es später wundervoll ist.

In der Vorbereitungszeit sind gute Freunde die wohl wichtigste Zutat, um manchmal nicht völlig auszurasten.

Im Besonderen der enge Freundeskreis hat uns täglich mit Rat und Tat unterstützt. Es ist überwältigend, wie sich Freunde für einen mitfreuen können. Wir danken euch.

Processed with VSCO with t1 preset

Der wohl Entspannteste von allen war wohl unser Fotograf. Mal abgesehen davon, dass er einen wunderbaren Job gemacht hat, waren seine Tips rund um die Hochzeit Gold wert. Wir haben ihn sofort gemocht. Locker, witzig und ideenreich. Die Bilder sprechen für ihn!

img_4711

Sind wir mal ehrlich: Ein Fotograf kann noch so gut sein, wenn du dich mit ihm nicht wohl fühlst, kannst du das Shooting wohl gleich sein lassen. Wir waren mit Thomas Lerch Photography mega zufrieden und an dieser Stelle:

Vielen Dank, Thomas. Du bist super!

Meine Tipliste für ein gelungenes Hochzeitsevent:

  • Je später das Event, desto mehr Partylaune
  • Wir luden ohne Kids ein, was sehr entspannend war, besonders für die Eltern
  • Setzt auf gute Cocktails
  • Sucht eine Location, in der ihr lange Musik spielen dürft
  • Macht keine Kompromisse bei euren Wünschen
  • Gebt Aufgaben ab. Es ist einfach unheimlich viel zu planen
  • Besorgt euch eine Fotobox mit lustigen Tools zum Verkleiden. Es ist ein Stimmungsgarant
  • Pinterest ist die wohl beste App für Impressionen
  • Ein guter DJ oder eine gute Band ist unumgänglich
  • So schön eine Hochzeitstorte ist; wenn ihr Nachtisch serviert, wird sie nicht angerührt
  • Verzichtet keinesfalls auf einen Mitternachtssnack. Für Feierwütige ist dieser Snack essenziell
  • Sei darauf gefasst, dass nicht alles so glatt läuft wie erhofft
  • Nimmt euch Zeit für die Auswahl des richtigen Fotografen, DJs und Trauredner
  • Unsere Anzüge hatten wir von Asos. Super schön geschnitten und Preis/Leistung war der Hammer

 

Processed with VSCO with t1 preset

Generell müssen wir uns bei unseren Freunden, dem Hotel, dem DJ und allen anderen Beteiligten bedanken.

Doch der größte Dank geht an unsere Eltern: Ihr habt uns unser ganzes Leben lang unterstützt, bestärkt und geformt. Mit solch einer Liebe und Verständnis unterstützt, dass wir nur ein Wort dafür haben: Danke. Danke für so vieles. Wir lieben euch.

DANKE FÜR EINEN DER SCHÖNSTEN MOMENTE IN UNSEREM LEBEN. ES WÄRE OHNE EUCH NICHT  ZU DEM TAG GEWORDEN, DER ER WAR! <3

Processed with VSCO with t1 preset

 

 

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply Stephi 1. Januar 2017 at 18:04

    Was für eine wahnsinnig tolle Hochzeit, die Bilder sprechen wirklich Bände! Ich finde aber auch, das ihr ein super süßes Paar seid und ich freue mich, dass ihr einen gelungenen Tag hattet Ich kann deine Aufregung um die Blumen aber gut verstehen – man heiratet nur einmal und da sollte dann schon auch alles so aussehen wie man es sich gewünscht hat. (Meiner Meinung nach sind die Sträuße auch perfekt gelungen)

    Für euch beide 2017 auch noch alles Liebe
    Stephi von http://stephisstories.de

  • Reply Levin L. 1. Januar 2017 at 20:43

    Lieber Patrick,
    ich bin völlig hin und weg von den tollen Bildern und der lustig, authentischen Art deines Blogposts. Es freut mich sehr zu lesen, dass ihr einen Tag hattet, wie ihr ihn euch vorgestellt habt und es ist schön zu sehen, wie glücklich die Liebe macht.
    Es freut mich vor allem, dass eine solche Hochzeit heutzutage möglich ist. Das Interesse bzw. die Skepsis gegenüber gleichgeschlechtlichen Ehen wird sich wahrscheinlich nur kaum legen, aber solche Hochzeiten wie deine zeigen, dass Liebe Liebe ist, egal, ob Frau und Mann oder Mann und Mann.
    Ich wünsche euch von Herzen alles Gute und unzähligee glückliche Jahre miteinander!

    Lieben Gruß
    Levin

    http://www.wearablebylevin.com

  • Leave a Reply